31. März 2026 · 9 Min. Lesezeit
QR-Rechnung Schweiz: Was Freelancer wissen und beachten müssen
Der orangefarbene Einzahlungsschein ist abgeschafft. Hier erfährst du, was eine QR-Rechnung enthält, wie du sie als Freelancer korrekt erstellst und welche Fehler du vermeiden solltest.

Inhaltsverzeichnis
- Warum der orangefarbene Einzahlungsschein weg ist
- Was die QR-Rechnung technisch ist
- Welche Angaben eine QR-Rechnung braucht
- So erstellst du eine QR-Rechnung als Freelancer
- Weg 1: Kostenloser Online-Generator
- Weg 2: Vorlage mit eingebettetem Generator
- Weg 3: Rechnungssoftware
- Typische Fehler
- QR-Rechnung per PDF oder ausgedruckt – was ist erlaubt?
- MWST und die QR-Rechnung
- Ist die QR-Rechnung für Freelancer gesetzlich vorgeschrieben?
- Welche Tools gibt es
- Was jetzt zu tun ist
Wer in der Schweiz schon länger selbstständig ist, kennt den orangefarbenen Einzahlungsschein. Dieser schmale Abschnitt am Ende der Rechnung, den Kunden manuell ausgefüllt, zur Bank gebracht oder per Post eingeschickt haben. Oder eben nicht. Oder mit einem Zahlendreher in der Kontonummer.
Seit dem 1. Oktober 2022 ist dieses System abgeschafft. Die QR-Rechnung hat es ersetzt. Für viele Freelancer hat sich damit wenig geändert, weil sie einfach eine neue Vorlage übernommen haben – aber nicht immer die richtige. Dieser Artikel erklärt, was hinter dem Format steckt, welche Angaben zwingend sind, und wo die häufigsten Fehler passieren.
Warum der orangefarbene Einzahlungsschein weg ist
Der orangefarbene (und der rote) Einzahlungsschein hatte drei strukturelle Probleme, die sich im Alltag immer wieder gezeigt haben.
Übertragungsfehler. Kunden haben Kontonummern und Referenzen manuell abgetippt. Ein falsch gelesener Buchstabe, und die Zahlung landete auf dem falschen Konto oder schlug fehl. Die Klärung danach – wer hat die Zahlung ausgelöst, wo ist sie geblieben – hat beiden Seiten Zeit gekostet.
Kein einheitliches Format. Es gab verschiedene Scheintypen, verschiedene Codierungen. Buchhaltungsprogramme konnten die Daten nicht zuverlässig automatisch einlesen, weil das Format nicht durchgehend standardisiert war.
Schlechte Eignung für digitale Rechnungen. Eine PDF-Rechnung mit orangem Einzahlungsschein war ein Widerspruch: Digital verschickt, aber der Schein musste trotzdem ausgedruckt, ausgefüllt und zur Bank gebracht werden. Das hat mit dem Arbeitsalltag von Freelancern, die digital arbeiten, nicht zusammengepasst.
Die QR-Rechnung adressiert alle drei Punkte. Der Swiss QR Code enthält alle Zahlungsinformationen maschinenlesbar. Kunden scannen den Code mit der E-Banking-App, und sämtliche Felder werden automatisch übernommen. Keine Tippfehler, kein ausdrucken, kein Rätselraten.
Was die QR-Rechnung technisch ist
Die QR-Rechnung ist ein Schweizer Zahlungsstandard, der vom SIX Interbank Clearing definiert und von allen Schweizer Banken unterstützt wird. Er besteht aus zwei Teilen:
Der Zahlungsteil ist ein genau definierter Abschnitt am unteren Rand einer Rechnung (105 mm hoch, Seitenbreite). Links steht der Swiss QR Code, rechts stehen die lesbaren Zahlungsdaten: Empfänger, IBAN, Betrag, Währung, Referenznummer. Darunter ist ein Empfangsschein für den Rechnungsempfänger.
Der Swiss QR Code codiert dieselben Daten maschinenlesbar. Das Besondere: Er folgt dem Swiss Payment Standard, einem klar definierten Datenformat. Jedes E-Banking-System in der Schweiz versteht dieses Format, was bedeutet, dass der Kunde beim Scannen keine einzige Zahl manuell eingeben muss.
Für Freelancer ist das vor allem ein Zuverlässigkeitsgewinn. Wenn du zwanzig Rechnungen im Monat verschickst, ist jede manuelle Übertragungsfehlerklärung Zeit, die du nicht hast.
Welche Angaben eine QR-Rechnung braucht
Der Swiss Payment Standard definiert die Pflichtfelder genau. Hier die relevanten für Freelancer:
IBAN des Zahlungsempfängers Deine Schweizer IBAN. Format: CH + 2 Prüfziffern + 5-stellige Bankclearing-Nummer + 12-stellige Kontonummer. Beispiel: CH56 0483 5012 3456 7800 9. Ohne gültige IBAN lässt sich kein QR-Code erzeugen.
Zahlungsempfänger (Name und Adresse) Dein vollständiger Name oder Firmenname, Strasse und Hausnummer, PLZ, Ort, Ländercode CH. Diese Angaben müssen exakt mit dem bei deiner Bank hinterlegten Kontoinhaber übereinstimmen.
Betrag und Währung CHF oder EUR, mit dem genauen Rechnungsbetrag. Du kannst auch einen offenen Betrag (kein Betrag im Code) angeben – aber dann muss der Kunde die Summe manuell eintippen, was zu Fehlern führen kann. Wenn der Betrag feststeht, immer eintragen.
Referenznummer (optional, aber empfehlenswert) Es gibt zwei Typen:
- QR-Referenz: 27 Stellen, funktioniert nur mit einer QR-IBAN. QR-IBANs erkennst du daran, dass die Clearing-Nummer 30000 lautet (z. B. beginnt die QR-IBAN mit CH3...).
- SCOR-Referenz (ISO 11649): Bis zu 25 Zeichen, funktioniert mit regulären IBANs. Du kannst deine Rechnungsnummer direkt einfliessen lassen.
Die Referenznummer ermöglicht dir, eingehende Zahlungen automatisch der richtigen Rechnung zuzuordnen – besonders wenn du mehrere offene Rechnungen gleichzeitig hast.
Zahlungspflichtiger (Name und Adresse des Kunden) Kein Pflichtfeld, aber hilfreich. Es erleichtert die Verarbeitung auf der Kundenseite und verhindert, dass die Zahlung von der falschen Person versehentlich ausgelöst wird.
Zusätzliche Informationen Ein Freitextfeld, zum Beispiel für die Rechnungsnummer, den Projektnamen oder eine kurze Beschreibung der erbrachten Leistung. Maximal 140 Zeichen.
So erstellst du eine QR-Rechnung als Freelancer
Es gibt mehrere Wege, je nach wie oft du Rechnungen stellst.
Weg 1: Kostenloser Online-Generator
Für gelegentliche Rechnungen reichen freie Web-Generatoren:
- SIX Group Swiss QR Bill Generator (six-group.com) – offiziell, kostenlos, mit Validierung
- pingen.com – einfache Bedienung, PDF-Export
- qr-rechnung.ch – schnell, ohne Registrierung
Du gibst deine Stammdaten ein, der Generator erzeugt den Zahlungsabschnitt als PDF, und du fügst ihn in deine Rechnung ein. Für ein bis zwei Rechnungen im Monat ist das praktikabel. Sobald du regelmässig rechnest, wird das Eintippen der immer gleichen Daten lästig.
Weg 2: Vorlage mit eingebettetem Generator
Einige Freelancer bauen sich eine Word- oder LibreOffice-Vorlage, in der der Zahlungsabschnitt als statisches Bild hinterlegt ist. Das funktioniert, solange sich deine Bankdaten und Adresse nicht ändern. Nachteil: Du musst die Referenznummer manuell anpassen, und wenn du eine neue IBAN bekommst, ist die Vorlage sofort veraltet.
Weg 3: Rechnungssoftware
Der zuverlässigste Weg für Freelancer, die regelmässig Rechnungen stellen. Du hinterlegst IBAN, Name und Adresse einmal, und jede Rechnung enthält automatisch den korrekten Zahlungsabschnitt. Gut ausgebaute Tools erzeugen die Referenznummer ebenfalls automatisch – entweder als SCOR-Referenz basierend auf der Rechnungsnummer oder als QR-Referenz, wenn eine QR-IBAN hinterlegt ist.
Für den allgemeinen Aufbau einer Rechnung – was ausser dem Zahlungsabschnitt noch draufgehört – ist dieser Artikel ein guter Ausgangspunkt: Rechnung schreiben als Freelancer in der Schweiz.
Typische Fehler
Falsche IBAN-Referenz-Kombination Das ist der häufigste technische Fehler. QR-IBANs (erkennbar an der Clearing-Nummer 30000) müssen mit der QR-Referenz kombiniert werden. Reguläre IBANs verwenden SCOR oder keine Referenz. Wer eine reguläre IBAN mit QR-Referenz kombiniert, erzeugt einen ungültigen QR-Code – der Code lässt sich zwar generieren, aber keine Bank akzeptiert die Zahlung.
Betrag fehlt oder ist falsch Entweder wird kein Betrag eingetragen, oder der Betrag stimmt nicht mit dem Rechnungsbetrag überein (z. B. weil der Zahlungsabschnitt aus einer alten Rechnung kopiert wurde). Immer den Betrag kontrollieren, bevor die Rechnung rausgeht.
Zahlungsabschnitt nicht am richtigen Ort Der Zahlungsteil muss am unteren Rand der letzten Seite der Rechnung stehen – mit exakt 105 mm Höhe und Seitenbreite. Wer den QR-Code irgendwo in das Dokument einfügt (zum Beispiel als Inline-Bild), erzeugt zwar optisch einen QR-Code, aber das Dokument entspricht nicht dem Standard. Manche E-Banking-Apps akzeptieren das trotzdem, andere nicht.
Adressdaten stimmen nicht mit der Bank überein Der Name und die Adresse im QR-Code müssen mit dem bei der Bank hinterlegten Kontoinhaber übereinstimmen. Wer kürzlich umgezogen ist oder den Firmennamen geändert hat und vergessen hat, die Vorlage anzupassen, kann Probleme mit der Zahlungsverarbeitung bekommen.
Alte Vorlage aus der Zeit des Einzahlungsscheins Einige Freelancer haben ihre Rechnungsvorlage nie angepasst und versenden noch immer Dokumente mit dem alten Format – oder einem QR-Code, der nicht dem Swiss Payment Standard entspricht. Wenn du dich nicht sicher bist, ob deine Vorlage korrekt ist, kannst du den QR-Code mit dem offiziellen SIX-Validator prüfen.
QR-Rechnung per PDF oder ausgedruckt – was ist erlaubt?
Beides. Die QR-Rechnung kann als PDF per E-Mail verschickt oder ausgedruckt per Post zugestellt werden. Es gibt keine gesetzliche Vorgabe, wie die Rechnung übermittelt werden muss – das bleibt dir und deinem Kunden überlassen.
In der Praxis hat sich PDF als Standard etabliert. Der Vorteil: Kunden können den QR-Code direkt aus dem PDF heraus scannen, ohne das Dokument auszudrucken. Die meisten E-Banking-Apps erlauben das Scannen via Kamera oder Bildschirm.
Wichtig dabei: Das PDF muss druckoptimiert sein. Der Zahlungsabschnitt muss auf einer A4-Seite in der richtigen Grösse (105 mm Höhe) erscheinen, auch wenn das PDF nur am Bildschirm geöffnet wird. Wenn du PDFs aus einer Textverarbeitung erzeugst und der Zahlungsabschnitt nur als Bild eingefügt ist, solltest du prüfen, ob die Pixeldichte ausreicht – zu geringe Auflösung kann dazu führen, dass der QR-Code nicht mehr lesbar ist.
MWST und die QR-Rechnung
Die QR-Rechnung an sich hat keinen Einfluss auf deine MWST-Pflicht. Die Mehrwertsteuer in der Schweiz ist ein separates Thema: Du bist MWST-pflichtig ab einem Jahresumsatz von CHF 100'000 (Regelbesteuerung) oder kannst freiwillig eintreten.
Wenn du MWST-pflichtig bist, muss die Rechnung – ganz unabhängig vom QR-Code – zusätzliche Pflichtangaben enthalten: deine MWST-Nummer (UID), den Steuerbetrag aufgeschlüsselt nach Steuersatz, und den Leistungszeitraum.
Der MWST-Betrag fliesst natürlich auch in den QR-Code: Als Gesamtbetrag (Nettobetrag + MWST) im Feld für den Zahlungsbetrag. Viele Freelancer machen hier den Fehler, nur den Nettobetrag einzutragen.
Ist die QR-Rechnung für Freelancer gesetzlich vorgeschrieben?
Nein, nicht per Gesetz. Es gibt in der Schweiz keine Pflicht für private Rechnungsempfänger, den QR-Zahlungsabschnitt zu verwenden.
In der Praxis sieht es aber anders aus. Viele Schweizer Unternehmen – besonders mittelgrosse und grössere Auftraggeber – erwarten den QR-Zahlungsabschnitt, weil ihre Buchhaltungssoftware auf das maschinelle Einlesen ausgelegt ist. Eine Rechnung ohne QR-Code können sie zwar bezahlen, aber es bedeutet manuellen Aufwand auf ihrer Seite. Das führt mitunter dazu, dass Rechnungen verzögert bearbeitet werden.
Für Freelancer, die viel mit Unternehmenskunden arbeiten, ist der QR-Zahlungsabschnitt deshalb de facto Standard.
Das unterscheidet sich von der Situation in Deutschland und Österreich, wo es ab 2025 beziehungsweise 2026 eine schrittweise E-Rechnungspflicht für B2B-Transaktionen gibt. Mehr dazu in diesem Artikel: E-Rechnung Pflicht für Freelancer 2025/2026.
Welche Tools gibt es
Kostenlose Generatoren eignen sich für Freelancer, die selten Rechnungen stellen oder ihre bestehende Lösung ergänzen wollen. Der SIX-Generator ist der zuverlässigste, weil er den erzeugten Code automatisch validiert.
Bexio ist die bekannteste Schweizer Buchhaltungslösung mit QR-Rechnung. Gut integriert, aber mit einem Fokus auf Buchhaltung, der für reine Freelancer oft mehr ist als nötig.
Klara (früher Post Finance Klara) ist günstiger und stärker auf KMU ausgerichtet. QR-Rechnung ist integriert.
Clienta verfolgt einen anderen Ansatz: Aufgaben, Zeiterfassung und Rechnungsstellung sind in einem einzigen Tool vereint. Das Besondere ist der Genehmigungsworkflow – Kunden können geleistete Arbeit bestätigen, bevor eine Rechnung erstellt wird. Die QR-Rechnung ist direkt integriert: Du hinterlegst IBAN und Adresse einmal in den Einstellungen, und jede Rechnung enthält den Zahlungsabschnitt automatisch. Beim Erstellen siehst du eine Live-Vorschau des fertigen A4-Dokuments.
Clienta ist aktuell im Early Access, der Zugang läuft über eine Warteliste auf clienta.app. Für die Schweiz kostet es CHF 9 pro Nutzer und Monat.
Was jetzt zu tun ist
Wenn du noch auf einer alten Vorlage arbeitest oder dir nicht sicher bist, ob dein QR-Code dem Swiss Payment Standard entspricht, ist jetzt ein guter Zeitpunkt für einen Kurztest.
Du kannst den erzeugten QR-Code unter tools.six-group.com validieren lassen. Es dauert zwei Minuten, und du weisst danach, ob deine Rechnungen technisch korrekt sind.
Worauf du dabei achtest:
- IBAN-Typ bestimmen (reguläre IBAN oder QR-IBAN mit Clearing-Nr. 30000)
- Referenztyp entsprechend wählen (SCOR für reguläre IBAN, QR-Referenz für QR-IBAN)
- Adressdaten mit Bankdaten abgleichen
- Zahlungsabschnitt im fertigen PDF auf Position und Grösse prüfen
Wenn du gleichzeitig überlegst, wie du deine Rechnungsstellung insgesamt vereinfachen kannst – welche Informationen auf eine Schweizer Freelancer-Rechnung gehören, was MWST-pflichtig ist und was nicht – ist dieser Artikel eine gute Grundlage.
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